Die Kummerbuben sind in den Keller der Schweizer Volksmusik gestiegen und sind auf vergessene Perlen gestossen. Es sind dunkle, melancholische, vagabundische Volkslieder, die nichts zu tun haben mit Hudigäggeler und tumben Patriotismus. Im Gegenteil: Sie handeln auf den Schattenseiten des Daseins. Die Kummerbuben nehmen sich die Gestaltungsfreiheit heraus, die seit Jahrhunderten die Überlieferung des hiesigen Liedgutes prägte. Texte wurden verändert, über neue Melodien gesungen. Sie möbeln die jahrhundertealten Songs kräftig auf, schmeissen sie aus dem Fenster, hämmern drauf rum, verhunzen sie zünftig, oder belassen sie in ihrer Schönheit.
Die Kummerbuben haben bis vor kurzem noch Dean Moriarty & The Dixie Dicks geheissen und sind mit Songs von Tom Waits durch die Lokale getingelt, um die Mädchen mit roten Schuhen und die Jungs mit den zu kleinen Hütten aus ihren Socken zu hauen.
Schon in Flaumbart-Zeiten als Rapper der verblichenen Berner Band Yedi setzte sich Jäggi mit Sprache auseinander. Heute arbeitet er hauptsächlich als Journalist, verfolgt aber stets Projekte in verschiedenen Sparten, etwa als Dokfilmer. Die Affinität zum Wort hegt er auch als Kummerbube: Jäggi bearbeitet die Texte im Repertoire Kummerbuben und ist zuständig für moralische Bedenken und eingebildete Krankheiten. Als Sänger hat er keine Ausbildung genossen – was nicht zu überhören ist. Umso authentischer, wie sich Jäggi den Lärm aus dem Kopf schreit und die Melancholie aus der Milz haucht.
Mario Batkovic in der Band, ist wie einen Ronaldinho im Sturm zu haben. Batkovic ist ohne Zweifel einer der virtuosesten Akkordeonisten der Schweiz. Er wurde in Banja Luka, Bosnien, geboren und ist kroatischer Herkunft. Das Akkordeonspiel hat er sich selbst beigebracht, schon mit vier Jahren stand er auf der Bühne. Zehn Jahre später emigrierte er in die Schweiz, wo sein Talent am Konservatorium Bern entdeckt wurde. Schon als Jugendlicher trat er solo in der ganzen Schweiz auf und gewann einige Auszeichnungen. Später studierte er an der Musikhochschule Hannover. Seit seiner Rückkehr nach Bern ist er mit verschiedensten Formationen aufgetreten (Red Light Orchestra, Beba Orchestra, Djazzba), immer auf der Suche nach der Verbindung zwischen östlicher und westlicher Musik. Bei den Kummerbuben ist Batkovic Hauptkomponist und Solist.
Urs Gilgen spielt die Gitarre und das Banjo. Zusammen mit Simon Jäggi gehört er zu den Gründern der Kummerbuben und hilft mit bei der Recherche und Auswahl der alten Schweizer Lieder. Gilgen ist Autodidakt und bewegt sich abseits der gängigen Wege studierter Musiker. In den letzten Jahren ist er zwar eher als Entwicklungshelfer im Jazz und im Kaukasus aufgefallen, doch umso wuchtwoller schlägt sich nun sein slawisch-schwarzenburgerisches Gemüt auf die Saiten seiner Klampfe nieder.
Durrer ist das, was in einschlägigen Kreisen als Musikernutte bezeichnet wird. Er gehört aber – um im Jargon zu bleiben – zu den Edelprostituierten. Er hat die Jazzschule Bern überlebt und tingelt nun durch Konzertlokale und zwielichtige Bars. Mit the Flying Hats, Baze, Wurzel 5, Fusion Square Garden und der Swiss Jazz Orchestra Big Band war er schon unterwegs. Manchmal bildet er zusammen mit Obi Oberholzer das üblich verdächtige Bläser-Duo SugarHornz, manchmal sieht man ihn am Fernsehen, wie damals in der Sendung «Black & Blonde» bei SFDRS.
Wenn der Whistleblower mal keine entrückt schönen Melodien ins Rohr bläst, bedient er sich eigentlich nur dreier Adjektive: vernüsselt, vereiert und verhäschert. Sein Wortschatz hängt eng mit seiner Lebensführung zusammen.
Higi war ein Landei. In jungen Jahren gehörte er als Klarinettist zur lokalen Dorfmusik, spielte Saxofon im kantonalen und nationalen Jugendblasorchester und ähnlich üblen Kapellen. Er hat die heimelige Musikkultur also tief ein- und auch wieder ausgeatmet. Neben Marschmusik, Walzer und Polka formten Rock- und Funkbands sein musikalisches Verständnis, bis zu dem Tag als er das Sensetal verliess.
Heute, in der Stadt angekommen, betreibt er ein Geschäft mit giftigen Fischen, ist Mitglied eines klassischen Orchesters und ein bewährter Kontrabassist.
Tobi Heim trägt intern den Übernamen «the butcher». Einerseits, weil seine Physis das Ausmass einer Kuhhälfte erreicht, andererseits wegen der unzimperlichen Behandlung seines Schlagzeugs. Doch Heim ist nicht nur ein kräftiger, groovender Drummer (mit Ausbildung am Drummers Collective, New York), er verfügt auch über ein Kanarienvogel-Stimmchen, das er als Mitglied des berühmt-berüchtigten Troubadour Trios «Tomazobi» hervorholt. Heim ist nicht nur der fröhlichste Kummerbube, er hat auch stets einen passenden Rumpelbeat auf Lager.
The Butcher trommelt auf Kübeln von Sonor.