Die Kummerbuben tun, was einst Johnny Cash im Folsom Prison tat: Sie spielen im Gefängnis. Und zwar diesen Sonntag um 17 Uhr im Massnahmenzentrum St. Johannsen in Le Landeron. Der Anlass ist, überraschenderweise, öffentlich. Die Insassen dürfen sich unters Publikum mischen.
Wer sich etwas freier bewegen möchte, der komme doch dieses Wochenende in die Schüür, wo Radio 3fach sein Jubiläum feiert - und auch der geschätzte Beat-Man auf der Bühne steht. Oder am Samstagabend in die Alti Moschti, wo wir ausnahmsweise rauchfrei zu geniessen sind (manchmal braucht der Mensch eine neue Erfahrung...)
«Ich will immer soviel erleben
Und verschlafe doch nur die Zeit
Und kaum daß ich einmal nicht müde bin
Ist der Sommer schon wieder vorbei»
heisst es in einem Lied von Element of Crime; ein Lied, das der Schreiber immer hören muss, wenn die Tage wieder kälter, die Nächte wieder kürzer werden. Der Sommer geht dahin, da darf man ruhig etwas melancholisch werden. Aber was nicht richtig ist: Der Sommer hat uns vieles erleben lassen. Hier noch einige nette Erinnerungen Teil 2 an die Festival-Tour, die in an den Musikfestwochen in Winterthur zu Ende ging.
Wir beginnen beim Gurten-Festival, wo der Hügel ännet äm Berg, bei der Waldbühne also, rappelvoll war, als wir die Bühne enterten. Am Gurten konnten wir ein medizinisches Phänomen erleben: Wenn es nämlich zu einer vom vegetativen Nervensystem gesteuerten Kontraktion des Haarbalgmuskels kommt und sich Haarfollikel über die Hautoberfläche erheben, dann nennt man das Gänsehaut, in Dänemark auch Ameisenbrust genannt.
Ein Tag nach dem Gurten war dann Pod'Ring Biel angesagt. Ein schönes Stadtfest, wo die Kinder vor der Bühne auf Bierharassen herumklettern. Wir sorgten im weiteren Verlauf des Abends dafür, dass den Kinder das Spielmaterial nicht ausging.
Es war schon etwas beeindruckend: der giganstische Theater-Saal Lörrach im Burghof Theater. Und es war ein bisschen wie eine Oper aufzuführen. Das Publikum kam zwar etwas spärlich am diesjährigen Stimmen-Festival, aber zumindest für die Künstler war es ein Erlebnis erster Güte. Und zumindest eine Kneipe hatte am Sonntagabend offen, damit wir mit Kamilentee und heissen Ovomaltinen die dreitägige Konzertkaskade begiessen konnten. Dart kann ein unterhaltsames Spiel sein, und auch ein Platz in einer Kleinstadt kann eine Bühne sein - dies nachhaltige Erkenntnisse unseres Deutschlandtrips.
Darauf folgte eine Pause von zwei Wochen, in der wir aber nicht untätig bleiben - siehe letzter Eintrag "Kummerbuben tendieren zu Meitschi"...
Die aufmerksame Leserin und der nicht minder aufmerksame Leser wissen es: in unserer bei alt und jung beliebten Rubrik Privates dreht sich alles nur um Mädchen.
Der alben hier Schreibende hat es, das lässt sich schnell errechnen, im Januar zwar noch verheimlicht, das Gut zum Druck war aber bereits abgesegnet und die "Nachpressung" in Produktion.
Sie habe letzten Donnerstag in der Früh mit dem Hahn gekräht, in die Sonne geblinzelt und zwar so lange, bis der Papa ihr die unheimlich coole Sonnenbrille reichte, sagt man. Ob er die Atemübungen mitmachte, ist nicht überliefert.
Hoffen und wünschen wir doch, dass der grosse Kummer in der Band bleibt, sich die Familie derweil auf der Sonnenseite wähnen darf.
Wir waren in der Vergangenheit ja eher die Band für dunkle Knellen und späte Stunden. Das hat sich in den letzten Wochen bisschen geändert, denn wir befinden uns mitten im Festivalsommer – und der beginnt bekanntlich meist kurz nach Mittag. Nun haben wir schon paar Konzerte hinter uns, und obwohl wir manchmal fast noch in den Morgenstunden spielten war es eine grosse Plaisir. Und wir wollen Dir, liebes Publikum, einige Geschichtchen nicht vorenthalten.
Am Jazz-Festival in Montreux, wo wir letzten Freitag im Park spielten, drohte das Konzert zuerst abgesagt zu werden. Der Wetterdienst hatte eine Viertelstunde vor dem Konzert einen Sturm mit Windgeschwindigkeiten bis 100 km/h vorausgesagt. Der Sturm kam dann nicht, dafür stürmten wir die Bühne. Unser erster Gig in der Westschweiz, die Leute tobten – das wagen wir uns in dieser drastischen Form zu sagen. Um ein Uhr wäre eigentlich fertig gewesen, die Moderatorin wollte die Leute verabschieden, aber sie schrien sie von der Bühne, wir mussten nochmals hoch, Nachtruhe-Gesetze hin oder her. Die Veranstalterin meinte, wir seien die erste Band in der Geschichte Montreuxs, die auf dieser Off-Bühne eine zweite Zugabe geben durfte. Was für eine Schmeicheleinheit.
Gestern spielten wir im Kiental. Es regnete so stark, dass wir zusehends den Verdacht hegten, dass einer in unserern Reihen in der letzten Woche den Teller nicht ausgegessen hatte. Untersuchungen sind noch im Gange. Das superbe Publikum liess sich von den fädenartigen Niederschlagen nicht beirren und hüpfte mit ihren pink-violetten Regenkleidern vor der Bühne herum. Unglaubliche Wetterfestigkeit, Kompliment. Und Hene zog mit seinem 4x4-Suzuki-Jeep unseren Anhänger in extremis aus dem Schlamm. Suuberi Büetz, Hene.
Am Woodrock-Festival öffnete "Tom der Bär" alle Türen.
Um ans Open-Air St.Gallen zu kommen, mussten wir um HALB SIEBEN morgens aufstehen. Wir eröffneten auf der Zeltbühne. Wir waren bisserl nervös, aber geladen wie Brunftruten. War ein guter Gig. Leider mussten wir danach gleich weiter nach Rothenburg....
... wo wir kurz bevor wir um halb Neun auf die Bühne stiegen, merkten, dass DRS 3 unser Konzert aus St.Gallen noch am selben Abend überträgt, in voller Länge. Das heisst: Als wir in Rothenburg auf der Bühen standen, liefen wir zeitgleich durch den Äther. Kurliges Gefühl. In Rothenburg spielten wir auf einer alten Holzbrücke, wunderbare Kulisse. Und Jüre, unser geschätzter Tour-Begleiter, liess sich auf die Geheimnisse des Feng-Shuis ein...
In der Fanmeile von Zürich spielten wir an der Peripherie der Fanzone, dort, wo viele Stände bereits abgeräumt wurden, weil nie was lief. Es war ein grauer Abend, und es goss aus Kübeln. Ein Moment also, in dem man sich ernsthaft fragt, ob das Musikerdasein wirklich das verspricht, was ihm oft angedichtet wird. Wir haben aber das Beste aus der tristen Szenerie gemacht und hatten unter dem weissen Bierzelt extrem viel Freude. Und den paar Nasen, die ihren Sonntagsspaziergang unterbrachen und vor dem Zelt im Regen standen, gings scheinbar auch so.
Das Schrottrock in Thörishaus spielte sich, der Name sagt es, auf einem Schrottplatz ab. Was für eine Umgebung für Konzerte. Das Beste war, dass die Jungs vom Schrottplatz ständig neue Altautos hergeschleppt haben, die man, mit Helm und Schutzbrille ausgerüstet, zerdeppern durfte.
Auch am B-Sides pisste es. Schade für dieses herzallerliebste Festival, das mit grandios viel Herzblut betrieben wird. Wenn Festival, dann à la B-Sides, finden wir.
So, dass waren die Abenteuer der ersten Festival-Zeit, natürlich gäbe es da noch einige mehr, aber es muss ja nicht immer alles aus dem Nähkästchen ausgeräumt werden...